
Schmerz
Wie Akupunktur bei Migräne hilft - Eine Übersicht zum derzeitigen Wissensstand
Immer häufiger werden zur Linderung der verschiedenen Arten der Migräne Akupunkturärzte hinzugezogen. Trotzdem gibt es natürlich immer noch viele Fragen. Für die USA beschreiben Forscher jetzt den aktuellen Stand von Theorie, Wirkmechanismen und klinischer Praxis.
Sehr ausführlich stellen die Forscher den aktuellen Stand der westlichen Migräneakupunktur am Beispiel der USA dar. Sie stellen das traditionell-chinesische Therapiekonzept vor, dessen Teil die Akupunktur ist, und gehen auf Haupt- und Nebenmeridiane ein, die unter der Haut ein dichtes Netz bilden. In den USA nutzen etwa eine Million Bürger die Methoden der Komplementär- und Alternativmedizin. Pro Jahr kommen so geschätzte 10 Millionen Einzelbehandlungen zusammen. Zudem ist die Akupunktur in Amerika seit dem frühen 19. Jahrhundert zu finden.
Wie die Nadeln Schmerzübertragung unterdrücken
Die Autoren erläutern die hemmenden Nadeleffekte auf Zellen im Kern des Gesichtsnervs (N. trigeminus = Dreigeteilter Nerv) und auf solche im Rückenmark. Über die dortigen Schaltstellen (Synapsen) laufen Schmerzsignale aus Blutgefäßen im Kopf und der harten Hirnhaut. Der Trigeminuskern sendet das Schmerzsignal in verschiedene Hirnzentren, darunter so wichtige Schaltstellen wie das Kleinhirn, und sog. in Assoziationsgebiete. Letztere stellen Verbindungen zu den Sinneszentren her, v.a. für das Hören und Sehen. Diese Weiterleitung in die Assoziationsgebiete ist die Voraussetzung für die optischen und akustischen Migräneauren, die viele Betroffene zusätzlich quälen.
Gefäßreizungen und die Gabe bestimmter Substanzen führen zu einer erhöhten Aktivität dieser Zellen und damit zu Migräneattacken. Medikamente wie Valproinsäure und das bekannte Sumatriptan wirken dem entgegen. Offenbar sind jedoch auch die China-Nadeln in der Lage, diese Zellaktivität zu hemmen: In Studien linderte Elektroakupunktur Zahnschmerzen.
Rückkehr zur Balance von Yin und Yang
Neuere Erkenntnisse lassen vermuten, so die Wissenschaftler, Akupunktur könne die Schmerzvermittlung noch im Rückenmark hemmen. Dabei spielt wohl der Botenstoff met-Enkephalin eine Rolle. Wiederholt hatten Forscher bei steigenden Konzentrationen von met-Enkephalin eine gleichzeitige Zunahme der Schmerzgrenze beobachtet. Die Autoren stellen zahlreiche weitere Mechanismen vor, die mit großer Wahrscheinlichkeit Teil der Akupunkturwirkung sind.
Das Wirkprinzip, die Balance von Yin und Yang und die Beseitigung von Blockaden des Energieflusses (Qi-Block), zielt auf die Reduktion von Häufigkeit und Stärke der einzelnen Schmerzattacken. Hierbei kommen v.a. Yin-Punkte im Fuß, sowie Yang-Punkte am Kopf und an der Hand in Betracht. Während die Yin-Stimulation beruhigt, Ängste löst und den Schlaf fördert, reduziert die Yang-Hemmung den Akutschmerz. Eine solche Akupunktur erstreckt sich üblicherweise über mehrere Wochen und verlangt einen erfahrenen Akupunkturarzt.
Können senkt Nebenwirkungen
Gemessen an anderen Therapieverfahren, v.a. Schmerzmitteln, liegen die Nebenwirkungen des Nadelns fast nie in der Methode, sondern in ihrer Handhabung und können daher durch fachliches Können und Erfahrung nahezu vollständig ausgeschlossen werden. Punktblutungen und "Nadelschmerz" sind zwar nicht immer zu vermeiden. Einfache Maßnahmen wie Desinfektion und Verwendung steriler Einwegnadeln beugen jedoch Infektionen, z.B. mit HIV und Hepatitisviren, vor.
Was spricht gegen eine Migräneakupunktur? Bei Trägern eines Herzschrittmachers sollte die Elektroakupunktur mit Vorsicht verwendet werden. Hautschäden sind zu beachten. Jüngere Kinder bringen oft noch nicht die notwendige Ruhe und Einsicht auf.
Bei Schwangeren verbietet sich das Nadeln der Akupunkturpunkte Di 4 und MP 6, da diese auf den Gebärmutterhals wirken und vorzeitige Wehen auslösen könnten. Einige Arzneimittel wie Metoclopramid verstärken den Effekt einer betäubenden Akupunktur (Analgesie), während ihn andere schwächen (Propranolol, Dexamethason).
Scheintherapie noch problematisch
Die Autoren betonen kritisch die derzeit geringe Zahl aussagekräftiger Migränestudien - verglichen mit der Vielzahl bei anderen Schmerzproblemen. Mängel seien die oft zu kleinen Testgruppen, die eine Verallgemeinerung der Ergebnisse nicht zulassen. Häufig bestünden die Probleme im Aufbau der Studien, denn die Wirksamkeit der Nadeltherapie bei Migräne wird von der Mehrheit der Fachleute nicht bezweifelt.
Dr. Bernd Ramme, Pressesprecher der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM), meint dazu: "Die Ergebnisse vieler Studien sprechen für eine deutliche Effektivität der Nadeln bei Kopfschmerzen. Wir wissen, dass das 'richtige' Design der Kontrollgruppen ein heißes Eisen ist. Eine doppelblinde Scheinakupunktur ist sehr schwierig. Aber das Problem werden wir lösen! Fest steht: Nadeln in den Händen gut ausgebildeter Akupunkturärzte sind sicher und nützen v.a. den Patienten, die hohe Dosen von Schmerzmitteln nicht vertragen."
Publisher: DAAAM






